Das Bildungszentrum BGZ Simmerath: Talentschmiede für junge Handwerker von morgen

„Handwerk steht für Zukunft – auch in Krisenzeiten“

Wer in unserer Region einen handwerklichen Beruf erlernen möchte, stößt direkt auf das Bildungszentrum Simmerath. Im Gespräch mit Wilhelm Grafen, Geschäftsführer der Bildungsstätten und Marco Theissen, Leiter des BGZs und Fachbereichsleiter Eifelcampus, beleuchten wir die Bedeutung des BGZs für die Region sowie die Rolle und Herausforderungen für das Handwerk in der Gesellschaft. So viel schon mal vorab: Handwerk steht für Zukunft – auch in Krisenzeiten! 

Welche Bedeutung hat das BGZ Simmerath für die Region?

Wilhelm Grafen:
Ich halte den Standort in Simmerath für absolut wichtig. Nicht nur, weil wir mit 40.000m² flächenmäßig das größte von fünf Qualifizierungszentren der Handwerkskammer der Region Aachen sind. Sondern auch weil 1/3 des Lehrgangsgeschäftes von der Handwerkskammer hier in Simmerath stattfindet. 

Mit der Investition in das neue Gästehaus des BGZs unterstreichen Sie die Zukunft des Standortes in Simmerath. 

Wilhelm Grafen: 
Das Gästehaus ist für die ganze Region ein Prestigeobjekt. Das gesamte Objekt wird aus eigenen Mitteln des Handwerks gestemmt: also der Kammer und auch der Betriebe. Es ist Haus des Handwerks der Handwerker der Region. So sind auch ausschließlich lokale Handwerksbetriebe für den Bau des Hauses beauftragt worden. Unser Ziel ist es, dass sich junge Menschen, die Handwerker werden wollen, hier wohlfühlen. 

Das Gästehaus ist primär für die Unterbringung unserer Lehrgangsteilnehmer.Im Zusammenspiel mit der Fachhochschule, dem Berufskolleg und auch der Sekundarschule entsteht hier ein Kompetenzzentrum, das es so in der Region nicht gibt. Daher nennen wir das Gesamtareal momentan auch den „Eifel Campus“, um zu zeigen, dass hier etwas Großes entsteht. 

Welche Ausbildungsbereiche werden im BGZ angeboten? 

Marco Theissen: 
Maurer, Betonbauer, Fliesenleger, Zimmerer, Stuckateure, Straßenbauer, Dachdecker, Tischler, Bäcker, Maler, Bäckereifachverkäufer, Metallleichtbau, Konditoren und  Schornsteinfeger. 

Jetzt schon vormerken: am 17.09.22 ist Tag des Handwerks, mit einem abwechslungsreichen Programm im BGZ Simmerath

weitere Infos unter www.hwk.aachen.de/tdh

Aus welchem Gebiet kommen die Lehrlinge? 

Marco Theissen: 
Aus dem gesamten Kammergebiet: Düren, Euskirchen, Aachen, Heinsberg. Dachdecker kommen sogar aus Solingen, Wuppertal, Remscheid, Düsseldorf. 

Welche Bedeutung hat das Handwerk aus Ihrer Sicht für die Gesellschaft? Inwiefern würden Sie sich selber als Macher beschreiben?

Wilhelm Grafen
Handwerk findet immer vor Ort statt. Es ist nicht global. Man ist präsent. Die Strukturen sind meist übersichtlich und immer etwas familiär. 

Das Handwerk hat eine extrem gute Perspektive: Stichwort KARRIERE MIT LEHRE. Als Handwerker ist man immer mit dem Produkt direkt in Berührung. Man sieht ein Ergebnis, so dass hier eine starke Identifikation mit dem Beruf herrscht. Außerdem kann man unterschiedlichste Fortbildungen von der Lehre bis zum Meister machen und sich danach selbstständig machen. DAS sind Perspektiven.

Marco Theissen: 
Die Bedeutung des Handwerks wird ebenfalls deutlich, wenn man sich den erwirtschaften Gesamtumsatz in Deutschland im Mittelstand ansieht: 650 Milliarden € werden im Jahr von 1 Millionen Handwerksbetrieben erwirtschaftet. Und damit noch nicht genug: 13% aller Erwerbstätigen arbeiten im Handwerk. Fasst 30 % aller Lehrlinge sind im Handwerk. Da sind wir, das Handwerk, eine ganz bedeutende Säule der Gesellschaft. 

Worin besteht Ihrer Meinung nach die größte Herausforderung in der Zukunft: einmal für den Handwerksberuf allgemein und einmal fürs BGZ?

Wilhelm Grafen: 
Die größte Sorge besteht darin, Nachwuchs zu gewinnen sowie Fachkräfte zu sichern und auszubauen. Das BGZ korreliert direkt: in dem Maße wie das Handwerk wächst, wächst das BGZ. Gibt es weniger Lehrlinge, haben wir auch weniger Teilnehmer. 

Ein weiteres Problem liegt in der Nahtstelle zwischen Handwerk und Industrie: oftmals bilden wir die Fachkräfte aus, die dann in die Industrie abwandern. 

Wie wollen Sie dem entgegensteuern?

Marco Theissen: 
Wir sehen einen wichtigen Schlüssel in der steten Modernisierung unseres Angebotes: der Liegenschaften, Werkstätten, Werkzeuge, Digitalisierung. Hier müssen wir mitgehen und den Azubis ein vernünftiges und modernes Angebot machen. 

Wilhelm Grafen:  

Die Handwerkskammer investiert mit Hilfe von Landesförderungsmitteln im Schnitt 1 Million € bis 1,5 Millionen€ pro Jahr, um den Technologietransfer zwischen Betrieben und Lehrstätte zu gewährleisten. Wir wollen modernste Technologien ermöglichen und unsere Lehrlinge fit für ihre berufliche Zukunft machen. 

Wie begeistern Sie die junge Generation, einen handwerklichen Beruf zu erlernen? 

Wilhelm Grafen: 
Das ist das Stichwort: wir wollen Begeisterung erzeugen, das vielleicht Unbekannte näherbringen, Neugierde wecken. 

Daher bieten wir auch verschiedene Möglichkeiten an, sich beruflich auszuprobieren und sich in einem anderen Kontext zu erproben: zum Beispiel in Form der Kinderferienspiele, des Girls und Boys Days oder auch dem Tag des Handwerkes. 

Am 17. September ist der Tag des Handwerkes, den Sie hier im BGZ groß feiern möchten. Was genau ist geplant?  

Marco Theissen: 
Zunächst einmal laden wir alle Interessierten, sich am Tag des Handwerks auszuprobieren. Mit einem breiten Angebot angefangen bei der Vorstellung unserer Gewerke, über kleine handwerkliche Aufgaben bis hin zu einem Schulcontest möchten wir Schülerinnen und Schüler dazu ermutigen, ihre Talente zu erkunden und sich fürs Handwerk zu begeistern. Unser Motto „Probieren geht über Studieren“, also anpacken, testen, machen. 

Wilhelm Grafen: 
Hinzu kommt, dass wir an dem Tag des Handwerkes – wenn auch erst mal nur im geschlossenen Kreis –  die Einweihung des Gästehauses feiern sowie 50 Jahre BGZ. Also insgesamt drei Anlässe, die die Bedeutung des BGZs in der Region unterstreichen. 

Der TAG DES HANDWERKS 17.09.2022 im BGZ Simmerath

  1. Berufsfelderkundung: An verschiedenen Stationen stellen sich die Gewerke vor und geben Einblicke in ihren Bereich.  
  2. Talente-Test Handwerk: Probieren geht über Studieren. Hier kann sich jeder ausprobieren. Welches Handwerk fasziniert mich? Und welche Fertigkeiten brauche ich dafür? 
  3. Schulcontest: Schüler der 9. Klasse aus ganz NRW werden zusammen mit ihren Lehrern dazu eingeladen, eine handwerkliche Aufgabe zu lösen. Das Ergebnis wird am Tag des Handwerks prämiert. 

Weitere Infos unter www.hwk.aachen.de/tdh

Kontakt

BGZ Simmerath

https://www.hwk-aachen.de/bgz

Wir L(i)eben Handwerk!

Egal ob bauen, reparieren oder gestalten: das Handwerk begleitet unser Leben. Umso wichtiger ist es, dem Beruf des Handwerkers Wertschätzung entgegen zu bringen, Jugendliche für die Ausbildungsberufe zu begeistern.
Denn eines ist sicher: Das Handwerk gestaltet Zukunft und bietet abwechslungsreiche Tätigkeitsfelder, auch in Krisenzeiten.
In der Kampagne „Wir l(i)eben Handwerk“ stellen wir exemplarisch einige Handwerksbetriebe aus Simmerath vor, um zu zeigen: Wir l(i)eben Handwerk.

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Kommentare

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